Gott spricht: Suchet mich, so werdet ihr leben! Amos 5, 4

Erstaunlich, wie direkt dieses alte Wort der Bibel, der Monatsspruch für Juni, trifft, was viele Menschen heute beschäftigt: - die Suche nach Wegen, um den ausufernden Einfluss der Finanzmärkte und darin vor allem auf eigenen Vorteil wirtschaftenden Menschen einzudämmen,
- die Suche danach, die zunehmende Verarmung so vieler Menschen zu überwinden und die Reichtümer auf dieser Erde gerecht(er) zu verteilen,
- die Suche danach, die Schöpfung vor Zerstörung zu bewahren.
Auf der Suche sind wir auch in den Gemeinden, ja, in der ganzen Kirche: wie können wir uns mit unserem Glauben angesichts der drängenden Fragen der Gegenwart einbringen, wie erhalten wir Orientierung, und wie finden wir äußerlich machbare und verantwortbare Formen, in denen Gottes Gerechtigkeit, Gottes Fülle des Lebens, die er uns durch Jesus Christus zugesagt hat, wenigstens durchschimmern?
„Suchet mich, so werdet ihr leben!“ Die Worte des Amos in der damaligen Situation beschränken sich nicht auf das sog. „Seelenheil“ eines einzelnen Menschen, der nach einer persönlichen Bindung und Brücke zu Gott sucht. Dieses Wort Gottes ist an das Volk als ganzes gerichtet, es soll ihr Drängen danach unterbrechen, Macht, Geld und Häuser anzuhäufen, während ihre Gottesdienste immer hohler werden und sie hinnehmen, dass viele Menschen in Armut geraten und um das Stillen von Hunger und Durst kämpfen müssen.
Das Wort, das Amos dem Volk Gottes weitergibt, macht deutlich: Verantwortung für menschenwürdige Lebensumstände kann nicht einfach auf Gott abgeschoben werden, sondern ist Sache der Menschen, gerade auch derer, die sich auf diesen Gott berufen.
„Suchet MICH…“ – der Blickwinkel für das Suchen ist mit Gott gegeben Das provoziert und bestärkt heute darin, nach zukunftsfähigen Wegen zu suchen, Entwicklungen und Pläne zu fördern, die weniger Gift in die Atmosphäre und weniger Öl ins Meer strömen lassen, die vorhandene wirtschaftliche und politische Strukturen schaffen, damit Menschen sich nicht in Geldsucht verlieren und andere dafür mit dem wenigem, was sie haben, zahlen müssen.
Im Jahr 1941 war dieses Wort vom Propheten Amos Jahreslosung in Deutschland. Wie radikal muss dieses Wort damals als Widerspruch gegen die gnadenlose Vernichtung von Millionen von Menschen in Krieg und Gaskammern im Nationalsozialismus geklungen haben! Das ist heute vor allem aus unserem zeitlichen Abstand heraus unüberhörbar.
„Suchet mich, so werdet ihr leben!“ Das Wegbietende dieses Wortes will auch in unserer heutigen Zeit – über den Monat Juni hinaus – dazu drängen, sich nicht in die Ecke des „Ich-kann-ja-doch-nichts-Ändern“ zu verziehen, sondern dieser Ansage Gottes Gehör zu verschaffen: mit kleinen und großen Schritten, die wir täglich machen, als einzelne wie als Gemeinde.
Solches Suchen, solches sich nach vorne Tasten: Es steht unter der Aussicht Gottes „Ihr werdet leben!“

Ihr Pastor Ulrich Wolf-Barnett